May we meet – Begegnungen im Stadtraum

 

Es ist einiges los auf dem Anton-Saefkow-Platz an diesem Nachmittag im Mai. Die Leute bummeln durch kleine Marktstände oder sitzen vorm Café und genießen die Sonne. Da mittendrin steht das Tiny House des Projekts »May we meet«. 

 

»Ich würde das ja eher Bungalow nennen« sagt die Vetreterin der Bürgerjury, die heute gekommen ist, um zu gucken wofür das Geld genutzt wird, dass sie mit anderen Ehrenamtlichen aus der Bürgerjury Lichtenberg bewilligt hat. Was hier passiert, ist ein vielfältiges Programm für Schüler*innen und interessierte Anwohner*innen aus dem Kiez. An mehreren Tagen im Mai finden Kunstaktionen, musikalische Events, Lesungen und Gespräche zu Themen wie Umwelt, Gesellschaft, Demokratie statt. 

 

Die Initative für dieses Projekt kommt aus der May-Ayim-Schule, die seit 2024 den Namen der deutsch-afrikanischen Schriftstellerin und Künstlerin May Ayim trägt. Die Integrierte Sekundarschule unter der Leitung von Herrn Dr. Westphal legt ihren Fokus auf das projektorientierte Lernen. Deshalb ist das »May we meet« Projekt nicht das erste außerhalb der Schule und wenn es nach der zukünftigen Schulleiterin Frau Bergheim geht, werden noch viele andere folgen. Im Rahmen der bundesweiten Initiative der Ehrentage wurde das Projekt gemeinsam mit 2 Künstler*innen aus Wien: Olga Concilius und Samuel Casata konzipiert. Durch die Stiftung Berliner Stadtkultur und den Kiez Fonds Lichtenberg wird es hauptsächlich finanziert.

 

Jeden Nachmittag vor Ort sind die beiden Künstler*innen und 4 Sozialpädagog*innen der gss Schulpartner GmbH, die den Ganztag an der May-Ayim-Schule gestalten. Sie sind ausgestattet mit Keksen, Tee, manchmal Pizza und vor allem offenen Ohren und Herzen. Denn auch ohne Programm ist was los im Tiny House. Man trifft sich auf einen Tee, eine Runde Tischtennis oder nur zum Quatschen. »Mit diesen offenen Angeboten wollen wir auch Schüler*innen ansprechen, die zunehmend den Unterricht meiden. Mit denjenigen im Kontakt zu bleiben, die Schule für sich scheinbar schon abgehakt haben, ist uns wichtig« sagt Patricia Kühner, Sozialpädagogin von gss Schulpartner. Samuel Casata nickt zustimmend: »Einfach da sein, ansprechbar - das genügt schon, damit die Jugendlichen auch mal was von sich erzählen.« Währendessen sitzt Olga Concilius vorm Tiny House, sortiert und schneidet kleine Bleistiftzeichnungen aus und baut daraus ein Büchlein. Auf Nachfrage, was sie da gestaltet, erzählt sie: »Das sind Ergebnisse einer spontanen Aktion. Einige Schüler*innen kommen von sich aus immer wieder vorbei, wir kennen uns dann schon und deshalb habe ich sie gebeten Portraits zu zeichnen, von sich selbst, ihren Freunden oder aber auch von Leuten auf dem Platz. Jemanden dafür anzusprechen kostet natürlich Überwindung, aber wenn es funktioniert und man ins Gespräch kommt macht das viel mit dem Selbstbewußtsein.« 

 

Die Idee einen offenen Raum zu schaffen für Begegnungen, Zuhören und ein respektvolles Miteinander ist im Projekt »May we meet« beeindruckend gelungen. Schule kann also doch viel mehr sein als Unterricht.